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Keine bösen Überraschungen mehr: So berechnest du dein Benzin in ACC

11. Mai 2026
Den absolut perfekten Tankinhalt für ein Rennen zu berechnen, wird oft als komplizierte Wissenschaft abgetan. Bei SimUltimate beobachten wir immer wieder, dass Fahrer sich auf externe Apps, Discord-Bots oder undurchsichtige Tabellen verlassen. Doch was passiert, wenn man diese Werkzeuge im Eifer des Gefechts gerade nicht zur Hand hat oder schnell in der Startaufstellung reagieren muss?

Wer das Prinzip der manuellen Berech­nung ein­mal ver­standen hat, macht sich völ­lig unab­hängig von Drit­tan­bi­etern und agiert wie ein echter Ren­nin­ge­nieur direkt aus dem Cock­pit her­aus. Die Math­e­matik dahin­ter ist logisch, sim­pel und vor allem abso­lut ver­lässlich.

Die drei unverzicht­baren Werte aus dem Cock­pit
Alles begin­nt mit drei essen­ziellen Werten, die dir das Spiel ohne­hin auf dem Sil­bertablett serviert und die du für deine Rech­nung zwin­gend benötigst.
Der erste Wert ist schlichtweg die Ren­ndis­tanz. Du musst genau wis­sen, wie lange der Lauf dauert, beispiel­sweise die typ­is­chen 45 Minuten, die wir oft in kom­pet­i­tiv­en Ligen sehen.

Der zweite Wert ist deine durch­schnit­tliche Run­den­zeit. Hier ist gnaden­lose Ehrlichkeit zu dir selb­st gefragt. Es bringt dir über­haupt nichts, deine absolute Traum­runde aus dem Qual­i­fy­ing mit leerem Tank und per­fek­ten Reifen her­anzuziehen. Du brauchst eine real­is­tis­che Zeit, die du im soge­nan­nten Renn-Trimm, also mit viel Ben­zin und abbauen­dem Grip, über die gesamte Dis­tanz kon­stant abspulen kannst.

Der dritte und let­zte Baustein ist dein tat­säch­lich­er Ben­z­in­ver­brauch pro Runde. Asset­to Cor­sa Com­pe­tizione ist in diesem Punkt sehr trans­par­ent. Sobald du im freien Train­ing drei oder vier kon­stante Run­den am Stück gefahren bist, zeigt dir das Spiel im Set­up-Menü unter dem Reit­er «Fuel & Strat­e­gy» oder direkt live auf deinem dig­i­tal­en Ingame-Dash­board exakt an, wie viele Liter dein Motor pro Umlauf ver­bren­nt.

Die Formel
Hast du diese drei Werte im Kopf oder kurz notiert, greif­st du ein­fach zum Taschen­rech­n­er auf deinem Smart­phone. Um die Formel so über­sichtlich und greif­bar wie möglich zu machen, haben wir sie für dich in zwei logis­che Schritte unterteilt. Wir nehmen als Beispiel ein Ren­nen über 45 Minuten, eine durch­schnit­tliche Run­den­zeit von 1:50 Minuten (was 110 Sekun­den entspricht) und einen Ver­brauch von 2,8 Litern pro Runde.

Schritt 1: Run­de­nan­zahl ermit­teln

Formel: (Ren­ndauer in Sekun­den ÷ Run­den­zeit in Sekun­den) = Gefahrene Run­den

Beispiel: 2.700 Sekun­den ÷ 110 Sekun­den = 24,54 Run­den

Schritt 2: Ben­z­in­menge berech­nen

Formel: (Aufgerun­dete Run­de­nan­zahl × Ver­brauch pro Runde) + 2 Liter Puffer = Start­ben­zin

Beispiel: (25 Run­den × 2,8 Liter) + 2 Liter = 72 Liter Start­ben­zin

Die gold­ene Regel im Sim­rac­ing lautet bei der Run­den­er­mit­tlung: Ange­broch­ene Run­den wer­den immer und aus­nahm­s­los aufgerun­det. Es kann dir in der Hitze des Gefechts immer passieren, dass du die Start-Ziel-Lin­ie über­querst, wenn die Ren­nuhr noch exakt eine einzige Sekunde Restzeit anzeigt. Das zwingt dich dazu, eine volle weit­ere Runde am Lim­it zu absolvieren. Wer hier abrun­det, bleibt unweiger­lich auf der Strecke liegen.

Der eis­erne Sicher­heit­spuffer
Du hast nun deine reine Rennben­zin-Menge berech­net. Wer jedoch exakt mit diesem math­e­ma­tisch kor­rek­ten Wert auf die Strecke geht, lebt extrem gefährlich und hat ein entschei­den­des Detail des Motor­sports vergessen. Das Ren­nen begin­nt näm­lich nicht erst, wenn die Ampel auf Grün schal­tet und das Feld freigegeben wird.

Jedes ern­sthafte Ren­nen bein­hal­tet eine Ein­führungsrunde, die soge­nan­nte For­ma­tion Lap. Auf diesen hart umkämpften Metern fährst du zwar nicht im absoluten Ren­ntem­po, ver­brennst aber den­noch kon­tinuier­lich Kraft­stoff, um die Reifen aufzuwär­men und die Brem­sen auf Tem­per­atur zu brin­gen. Ausser­dem ist echter Motor­sport her­rlich unberechen­bar. Vielle­icht hängst du das halbe Ren­nen über im per­fek­ten Wind­schat­ten eines Geg­n­ers und bist dadurch plöt­zlich pro Runde ein paar wertvolle Zehn­telsekun­den schneller unter­wegs, als du es vorher kalkuliert hat­test. Diese zusät­zliche Pace bedeutet in der Summe mehr Run­den­zeit und somit einen höheren Gesamtver­brauch. Deshalb lautet unser Ratschlag, die errech­nete Menge niemals als abso­lut zu betra­cht­en, son­dern immer einen Puffer von etwa ein­er weit­eren Runde – in der Regel zwei bis drei Liter – oben­drauf zu pack­en.

Dynamis­che Fak­toren: Warum dein Ver­brauch plöt­zlich schwankt
Wenn du die manuelle Rech­nung blind beherrschst, gehörst du bere­its zu den bestvor­bere­it­eten Fahrern im gesamten Grid. Ein wahrer Sim­rac­ing-Experte ver­ste­ht jedoch auch die dynamis­chen Fak­toren, die den Ver­brauch während der Fahrt plöt­zlich ansteigen oder abfall­en lassen kön­nen. Wer diese Ein­flüsse lesen kann, ist in der Lage, auch während des Ren­nens strate­gisch auf den Tank­in­halt zu reagieren.

Dein rechter Fuss und dein genereller Fahrstil spie­len dabei die grösste Rolle. Wenn du im Ren­nen in einen harten, run­den­lan­gen Zweikampf ver­wick­elt bist, die Gänge höher aus­drehst als im Train­ing und jede Kurve abso­lut am physikalis­chen Lim­it aus­quetschst, wird dein Motor deut­lich durstiger sein. Fährst du hinge­gen entspan­nt an der Spitze oder wen­d­est bewusst das soge­nan­nte «Lift and Coast» an – also das frühzeit­ige Vom-Gas-Gehen vor der Brem­szone –, drückst du den Ver­brauch mas­siv nach unten.

Ein weit­eres mächtiges Werkzeug, das dir direkt im Cock­pit zur Ver­fü­gung ste­ht, ist das Motor­man­age­ment. In Asset­to Cor­sa Com­pe­tizione ist dies als ECU- oder Engine-Map bekan­nt. Fast alle mod­er­nen GT3-Fahrzeuge erlauben es dir, während der ras­an­ten Fahrt das Gemisch und die Leis­tungsab­gabe über das Lenkrad anzu­passen. Nor­maler­weise bist du auf Map 1 unter­wegs, welche dir die meiste Leis­tung, aber eben auch den höch­sten Treib­stof­fver­brauch liefert. Soll­test du mit­ten im Ren­nen fest­stellen, dass du dich im Train­ing extrem ver­schätzt hast und der Sprit defin­i­tiv nicht bis zur Ziellinie reicht, kannst du auf eine defen­si­vere Map schal­ten. Das kostet dich zwar Motor­leis­tung und damit Run­den­zeit, ret­tet dir aber im Zweifels­fall das Ankom­men.

Auch die äusseren Ein­flüsse der Sim­u­la­tion darf­st du niemals ignori­eren, denn Tem­per­atur und Wet­ter verän­dern die Charak­ter­is­tik des Motors und deinen Fahrstil mas­siv. In kühlen Nächt­en arbeit­en die Motoren weitaus effizien­ter. Extrem wird es jedoch im strö­menden Regen. Da du auf nass­er Fahrbahn viel san­fter mit dem Gaspedal umge­hen musst, weitaus früher bremst und sel­tener die max­i­male Drehzahl erre­ichst, sinkt dein Spritver­brauch drastisch ab. Wer für ein nass­es Ren­nen stur die Ver­brauch­swerte aus ein­er trock­e­nen und heis­sen Train­ingsses­sion nutzt, startet mit einem mas­siv über­lade­nen Fahrzeug und schenkt der Konkur­renz vom ersten Meter an einen unfairen Vorteil.

Zu guter Let­zt spielt auch dein tech­nis­ches Set­up eine nicht zu unter­schätzende Rolle. Ein Fahrzeug, das mit extrem steilem Heck­flügel für max­i­malen Abtrieb und einem aggres­siv­en Spur­winkel eingestellt ist, kämpft auf den lan­gen Ger­aden gegen einen enor­men Luft- und Roll­wider­stand an. Der Motor muss buch­stäblich härter arbeit­en, um die Höch­st­geschwindigkeit zu erre­ichen, was sich unweiger­lich in einem höheren Durst nach Treib­stoff nieder­schlägt.

Mach dich unab­hängig vom Sys­tem
Die Kun­st der per­fek­ten Spritkalku­la­tion macht dich am Ende des Tages zu einem kom­plet­teren und selb­st­be­wussteren Sim­rac­er. Es dauert auf deinem Smart­phone keine dreis­sig Sekun­den, diese ein­fache Math­e­matik durchzuführen, aber der psy­chol­o­gis­che Vorteil auf der Strecke ist schlichtweg unbezahlbar. Wer exakt weiss, wie lange sein Auto fährt, kann sich zu ein­hun­dert Prozent auf den Scheit­elpunkt der näch­sten Kurve und das Duell mit seinem Vor­der­mann konzen­tri­eren, ohne ständig panisch auf die Tankanzeige schie­len zu müssen. Lerne dein Auto in all seinen Facetten ken­nen, begreife die Fak­toren des Ver­brauchs und berechne dein Ben­zin in Zukun­ft selb­st wie ein Inge­nieur an der Box­en­mauer.

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