Review: MOZA R21 Ultra DD Wheel Base – Ein Kraftpaket mit Identitätskrise
Der erste Blick auf das Preisschild lässt aufhorchen. MOZA platziert die Base extrem aggressiv. Für CHF 799.95 bekommt man hier satte 21 Newtonmeter Drehmoment. Das ist eine Ansage, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenz von Simagic, Asetek oder VRS für dasselbe Geld oft nur Bases im Bereich von 12 bis 15 Newtonmetern anbietet. Rein auf dem Papier gewinnt MOZA den «Franken pro Newtonmeter»-Vergleich also haushoch. Aber Kraft ist im Simracing längst nicht mehr alles.

Rein äusserlich hat MOZA die Hausaufgaben gemacht. Das klobige Design der Vorgänger (R16/R21) ist Geschichte. Die Ultra-Version wirkt kompakter, reifer und durch das CNC-gefräste Aluminiumgehäuse deutlich hochwertiger, auch wenn die Kunststoffabdeckung auf der Rückseite den Premium-Eindruck minimal trübt. Ein riesiger Pluspunkt ist die neue Flexibilität bei der Montage: Egal ob Front-Mount, Side-Mount oder klassisch von unten – die Base passt ohne Adapterstress an fast jedes Rig. Doch schon beim Auspacken fällt ein Sicherheitsmanko auf: Bei einem 21-Nm-Monster, das einem problemlos die Hand brechen kann, gehört ein Not-Aus-Schalter eigentlich in den Lieferumfang. Bei MOZA muss man diesen extra kaufen und anschliessen – das ist Sparen am falschen Ende.
Geschlossenes Ökosystem statt High-End-Freiheit
Technisch gesehen ist die grösste Schwachstelle der R21 Ultra jedoch das fehlende USB-Passthrough. Und das ist der Punkt, an dem die Base in eine Zwickmühle gerät. Wer sich eine Wheelbase in dieser Leistungsklasse kauft, möchte oft auch absolute High-End-Lenkräder von Drittherstellern wie Cube Controls oder Ascher Racing nutzen. Da die MOZA-Base aber keinen USB-Port besitzt, der Signale durch den Quick-Release zum PC durchschleift, ist man gezwungen, ein separates Spiralkabel vom Lenkrad zum PC zu legen. Das wirkt in dieser Preisklasse veraltet und ist bei Konkurrenten wie Simagic oder Asetek besser gelöst. Man ist also faktisch dazu gedrängt, im MOZA-Ökosystem zu bleiben, wenn man kabellos fahren will – und MOZAs Lenkräder sind gut, aber eben noch nicht auf dem absoluten «High-End»-Level der Base selbst.

Sobald man auf die Strecke geht, zeigt die R21 Ultra aber ihre Zähne – und zwar im positiven Sinne. Das Fahrgefühl hat einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Wer ältere MOZA-Bases kennt, erinnert sich vielleicht an ein leicht «robotisches» oder körniges Gefühl im Force Feedback, das man oft mit viel Software-Filtern glattbügeln musste. Das ist vorbei. Der neue Motor mit «Zero-Cogging»-Technologie und der hochauflösende Encoder liefern ein extrem geschmeidiges, aber dennoch detailreiches Feedback. Man spürt die Fahrbahntexturen und Curbs klarer, ohne dass man die Signale in der Software künstlich weichspülen muss. Die Base agiert konsistent über verschiedene Simulationen hinweg, egal ob in ACC, iRacing oder Le Mans Ultimate.
Es gibt allerdings einen Haken bei der schieren Grösse des Motors: die Massenträgheit. Viele Simracer kaufen starke Bases, um sie dann gedrosselt zu fahren, um «Reserven» zu haben (Headroom). Doch im Test zeigte sich, dass die R21 Ultra, wenn man sie beispielsweise auf 12 Newtonmeter begrenzt, deutlich träger und weniger lebendig wirkt als eine Base, die nativ für 12 Newtonmeter gebaut wurde, wie etwa die MOZA R12. Die schwere Welle des grossen Motors schluckt bei niedrigen Kräften feine Details. Das bedeutet im Klartext: Wer nicht vorhat, die brachiale Gewalt von 15 bis 21 Newtonmetern auch wirklich zu nutzen, kauft sich mit der R21 Ultra eigentlich ein schlechteres Fahrgefühl ein, als er mit einer kleineren, agileren Base hätte.

Pit House: Endlich eine Software auf Augenhöhe
Die Software «Pit House» verdient mittlerweile Lob. Sie ist verständlicher geworden und bietet mit dem neuen Force-Feedback-Equalizer ein mächtiges Werkzeug, um bestimmte Frequenzen – etwa das Rumpeln von Curbs – gezielt zu verstärken, ohne das Lenkrad unruhig werden zu lassen. Auch die neuen «Low Frequency Effects», die Vibrationen wie Schaltstösse direkt über die Base simulieren, sind ein nettes Gimmick für mehr Immersion, ersetzen aber keinen echten Bass-Shaker am Sitz.
MOZA® R21 Ultra DD Wheel Base (21 Nm)
Was bleibt also als Fazit? Die MOZA R21 Ultra ist für ihren Preis ein beeindruckendes Stück Technik. Sie bietet brachiale Leistung und ein mittlerweile sehr feines Fahrgefühl für vergleichsweise wenig Geld. Sie sitzt jedoch in einer seltsamen Nische: Sie ist eigentlich zu stark für den Durchschnittsnutzer (der mit einer R12 glücklicher wäre) und bietet gleichzeitig nicht die offenen Schnittstellen (USB-Passthrough), die der absolute Enthusiast für seine Custom-Lenkräder braucht. Wer jedoch tief im MOZA-Ökosystem steckt, keine Fremd-Lenkräder nutzt und einfach maximale Power für sein Geld will, für den ist die R21 Ultra aktuell konkurrenzlos günstig.










