Die Qual der Wahl: Simucube 2 vs. Simucube 3
Wir bei SimUltimate haben die Base auf Herz und Nieren geprüft, die technische Architektur analysiert und die anfänglichen Startschwierigkeiten genau beobachtet. Ist die Simucube 3 der neue Messias des Force Feedback oder «verschlimmbessert» sie ein eigentlich perfektes Produkt? Wir stellen die Legende gegen den Herausforderer.
Eine Frage der Philosophie: Das System gegen die Einzellösung
Um den wahren Unterschied zwischen der zweiten und dritten Generation zu verstehen, reicht ein blosser Blick auf die Newtonmeter-Zahlen im Datenblatt nicht aus. Man muss verstehen, dass Simucube hier einen fundamentalen Wandel vollzieht. Die Simucube 2 war ein Meisterwerk der Isolation. Sie war eine Base, die per USB an den PC angeschlossen wurde, und das war es. Alles andere am Rig, seien es Pedale, Shifter oder Handbremsen, lief separat zum Computer. Das Ergebnis war oft ein unübersichtlicher Kabelsalat aus USB-Hubs, potenziellen Erdungsproblemen und Software-Konflikten verschiedener Hersteller. Die Simucube 3 bricht radikal mit dieser Tradition und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Sie ist nicht mehr nur ein einzelner Motor, sondern das Herzstück der neuen Link-Plattform. Das Konzept dahinter ist eine zentrale Vernetzung über den neuen Simucube Link Hub. Ein einziges, galvanisch getrenntes Kabel führt zum PC, und an diesem Hub hängen die Base, die ActivePedals und zukünftiges Zubehör. Das erklärte Ziel ist es, die Zuverlässigkeit eines geschlossenen Systems mit der Modularität eines offenen Systems zu vereinen. Wir sehen hier den klaren Versuch, weg von den typischen Bastellösungen hin zu einem industriellen Standard für das heimische Cockpit zu kommen, bei dem Treiberkonflikte und USB-Bandbreitenprobleme der Vergangenheit angehören.
Vergleichstabelle
| Feature | Simucube 2 (SC2) | Simucube 3 (SC3) | Was das für dich bedeutet |
|---|---|---|---|
| Modelle | Sport / Pro / Ultimate | Sport / Pro / Ultimate | Gleiche Abstufung, neue Generation |
| Erscheinungsdatum | Juni 2019 | Sport & Pro: November 2025, Ultimate: 2026 | Simucube 3 ist die neuere Wheelbase |
| Design & Fertigung | Designed in Finnland, gefertigt in der EU | Designed in Finnland, gefertigt in der EU | Gleiche bewährte Qualität und Fertigung |
| Energieeffizienz | Standard | Sport & Pro: Standard, Ultimate: Geringerer Stromverbrauch | SC3 Sport & Pro: Gleiche bewährte Technik wie SC2, SC3 Ultimate: Effizienter |
| Montage-Optionen | Nur Front-Mount | Front- oder Bottom-Mount | SC3 passt einfacher in verschiedene Rigs |
| Gewicht | 8.0–11.3 kg | 8.7–13.0 kg | Etwas massivere Bauweise |
| Spitzen-Drehmoment | 17 / 25 / 32 Nm | 15 / 25 / 35 Nm | Ähnlicher Bereich, feineres Output |
| Motor & Fahrgefühl | Bewährter SPM-Motor | Sport & Pro: Bewährter SPM-Motor, Ultimate: Neuer, effizienter Spoke-IPM-Motor | SC3 Sport & Pro: Gleiche bewährte Technik wie SC2, SC3 Ultimate: Mehr Detail bei weniger Nebengeräuschen |
| Regel-Algorithmus | Standard-Firmware | Individuell kalibrierter Algorithmus | Geschmeidigeres, präziseres Feedback |
| Force-Feedback-Charakter | Kräftig und sauber | Natürlich, leise und lebendig | Fühlt sich lebensechter und feiner an |
| Telemetrie-Effekte | Nicht verfügbar | Ja – Strasse, ABS, Kurven- und Drehzahl-Effekte | Mehr Realismus durch datenbasierte Sensationen |
| Quick-Release-System | Simucube Quick Release | Simucube Link Quick Release | Schnellerer Wechsel, kabelloser Strom- und Datentransfer |
| PC-Anbindung | USB 2.0 | Simucube Link Hub (Ethernet) | Zentraler Hub, weniger USB-Verbindungen |
| Software | Simucube Tuner 2.5+ | Simucube Tuner 3.0+ | Einheitliche Steuerung für alle Geräte |
| Steuerungsgerät | Premium Torque Off Button | Neue Control Box | Drehmoment und Dämpfung mitten im Rennen anpassen |
| Anpassungen im Rennen | Nur Drehmoment | Drehmoment, Dämpfung und Fahrgefühl | Sofort während der Fahrt feinjustieren |
| Display-Feedback | Keines | On-Screen-Overlay | Live-Einstellungen und Feedback sehen |
| Wireless Wheels | Integrierter BLE-Empfänger | Via Simucube Link Hub | Gleicher Support, jetzt zentralisiert |
| Link Wheels | Nicht unterstützt | Native Link Wheels (ab 2026) | Plug-and-Play, keine Kabel nötig |
| USB Wheels | Direktverbindung zum PC | Direktverbindung zum PC | Volle Kompatibilität bleibt erhalten |
| Button Plates | Kabellose Button Plates | Via Link Hub | Funktioniert nahtlos mit dem Link-Setup |
| Support | Laufende Software-Updates und RMA-Service | Voller Support und Link-Plattform-Erweiterung | Beide werden langfristig unterstützt |

Der radikale Schnitt: LightBridge statt USB-Passthrough
Hier wird es technisch und für viele Simracer auch emotional, denn die Art der Verbindung hat sich drastisch geändert. Die Simucube 2 nutzte für kabellose Lenkräder ein proprietäres Funkprotokoll auf Bluetooth-Basis, das zwar solide war, aber in der Bandbreite begrenzt, weshalb keine Displays angesteuert werden konnten. Die Simucube 3 führt nun den Link Quick Release mit der sogenannten LightBridge-Technologie ein. Dabei werden Strom und Daten kontaktlos über Licht und Induktion übertragen. Das bedeutet, es gibt keine Pogo-Pins mehr, die verschleissen könnten, und keine physischen Stecker, die bei den extremen Vibrationen eines Direct Drives wackeln könnten. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn man kann nun ein High-End-Lenkrad mit Display fahren, ohne dass auch nur ein einziges Kabel zur Base oder zum PC führt. Das Lenkrad schnappt magnetisch ein, zentriert sich selbst und ist sofort online. Doch diese Innovation kommt mit einer Kontroverse, denn Simucube hat den USB-Passthrough, also das Durchschleifen von USB-Signalen durch die Lenkradwelle, gestrichen. Die Begründung liegt in der Langlebigkeit, da USB über mechanische Schleifringe auf Dauer schlicht nicht zu hundert Prozent zuverlässig für den Profi-Einsatz über viele Jahre hinweg ist. Die Konsequenz für dich ist spürbar, wenn du bereits eine Sammlung älterer USB-Lenkräder besitzt. Du kannst diese zwar weiterhin nutzen, musst das USB-Kabel aber wie früher extern zum PC führen oder um die Lenksäule wickeln. Die Simucube 3 macht alte Lenkräder also nicht unbrauchbar, aber sie integriert sie nicht in ihr neues kabelloses Wunderland, was für Besitzer grosser Lenkrad-Sammlungen ein harter Schnitt sein kann.

Startschwierigkeiten und schnelle Lösungen
Wir wollen an dieser Stelle nichts beschönigen, denn der Launch der Simucube 3 lief anfangs alles andere als rund und wir haben das in unseren Tests auch bemerkt. Es gab bei frühen Modellen Berichte über ein metallisches Schlagen oder «Knocken» im Force Feedback bei schnellen Lastwechseln, massive EMI-Probleme, die zu Verbindungsabbrüchen führten, und Software-Bugs, bei denen die Base fälschlicherweise in einen Sicherheitsmodus schaltete und das Signal dämpfte. Doch genau in dieser Krise zeigte der Hersteller seine wahre Klasse. Die Reaktion war beispiellos schnell und transparent. Innerhalb weniger Tage rollten Firmware-Updates aus, die das Knocken eliminierten und die Probleme mit der neuen Control Box lösten. Auch die EMI-Themen wurden analysiert und oft auf externe Faktoren wie defekte Netzteile zurückgeführt, wobei sofortiger Hardware-Austausch angeboten wurde. Unsere Langzeittests zeigen mittlerweile ein völlig stabiles Bild. Das bestätigt unsere Meinung bei SimUltimate, dass man hier nicht nur Hardware kauft, sondern auch einen der besten Support-Services der Branche, der Probleme nicht aussitzt, sondern aktiv löst.

Das Fahrgefühl: Wenn Telemetrie auf Physik trifft
Doch wie fühlt sich das neue Flaggschiff auf der Strecke an? Die Simucube 2 war mit ihrem SPM-Motor bereits extrem glatt und präzise. Die Simucube 3, besonders in der Ultimate-Variante mit dem neuen, effizienteren IPM-Motor, fühlt sich noch direkter und reaktionsfreudiger an. Der wahre Gamechanger sind jedoch die neuen Telemetrie-Effekte. Simucube nutzt hier das Wissen, das sie mit den ActivePedals gesammelt haben. Die Base interpretiert Telemetriedaten des Spiels, wie etwa aus iRacing oder Le Mans Ultimate, und mischt Effekte in das Force Feedback, die vorher fehlten. Es geht hier nicht um effekthascherisches Rütteln, sondern um hochauflösende Informationen. Man spürt die Fahrbahntextur, die G‑Kräfte in Kurven und das Arbeiten des ABS oder die Motorvibrationen direkt im Lenkradkranz. Diese Informationen basieren auf echten Daten und nicht nur auf der Physik der Lenksäule. Man spürt den Grip-Abriss früher und klarer, was in Kombination mit der absoluten Stille der Base – das leise Spulenfiepen des Vorgängers ist komplett verschwunden – für eine Immersion auf einem völlig neuen Level sorgt.

Endlich Dual-Mounting
Ein riesiger Kritikpunkt an der Simucube 2 war immer die Montage, da sie ausschliesslich per Front-Mount befestigt werden konnte. Wer ein Rig mit einer flachen Bodenplatte, einem sogenannten Wheel Deck, besass, musste teure Adapter kaufen. Die Simucube 3 bringt hier endlich die lang ersehnte Flexibilität durch Dual-Mounting. Man kann sie weiterhin klassisch von vorne verschrauben oder dank integrierter T‑Nuts direkt von unten auf das Rig setzen. Dazu kommt die neue Control Box, welche den alten Not-Aus-Knopf ersetzt. Diese erlaubt es, während der Fahrt Parameter wie Force Feedback, Dämpfung und Filter über einen Drehregler anzupassen und die Werte auf einem Overlay am Monitor zu sehen. Das sind Verbesserungen der Lebensqualität, die im täglichen Rennbetrieb einen riesigen Unterschied machen.

Die Entscheidung
Stehst du nun vor der Wahl zwischen den Generationen? Wenn du bereits eine Simucube 2 Pro oder Ultimate besitzt, kannst du dich entspannt zurücklehnen. Deine Base ist immer noch absolute Weltklasse, wird noch Jahre unterstützt und fährt sich traumhaft. Der Umstieg lohnt sich unserer Meinung nach nur, wenn du unbedingt das eine Kabel zum PC willst oder scharf auf die neuen kabellosen Display-Lenkräder bist. Rein vom Fahren her ist der Sprung spürbar, aber keine Weltreise. Wenn du jedoch heute ein High-End-Rig neu aufbaust oder von einer schwächeren Base aufsteigst, führt kein Weg an der Simucube 3 vorbei. Die Startschwierigkeiten sind behoben, die Link-Plattform sorgt für ein aufgeräumtes Setup und die LightBridge-Technik ist zukunftssicher. Simucube hat gewagt, alte Zöpfe abzuschneiden, um die Zuverlässigkeit auf ein industrielles Level zu heben. Es war ein Risiko, aber das Ergebnis ist die fortschrittlichste Base, die man aktuell für Geld kaufen kann.
Simucube® 2 Sport Wheel Base (17 Nm)
Simucube® 2 Pro Wheel Base (25 Nm)
Simucube® 3 Sport (15 Nm)
Simucube® 3 Pro (25 Nm)
Simucube® 3 Ultimate (35 Nm)
Simucube 2
- +Unzerstörbarer Ruf: Die SC2 ist seit Jahren der Inbegriff von Zuverlässigkeit. Die Hardware ist ausgereift und absolut «bulletproof»
- +Kein Hub-Zwang: Sie funktioniert als Standalone-Gerät. USB rein, Strom rein, fertig. Ideal für Puristen, die keine weiteren Simucube-Geräte besitzen
- +USB-Freiheit: Da das System keine eigene Datenübertragung für Displays im Quick Release hat, ist man es gewohnt, USB-Kabel extern zu führen. Es gibt keinen «Verlust» von Features bei alten Lenkrädern
- +Marktverfügbarkeit: Sowohl neu als auch gebraucht ist die Versorgungslage stabil und das Zubehör-Ökosystem riesig
- –Nur Front-Mount: Ein grosses Manko für viele Rig-Besitzer. Wer eine Bodenplatte (Wheel Deck) hat, muss zwingend teure Halterungen zukaufen.
- –Veraltetes Wireless: Das alte Funkprotokoll unterstützt nur Buttons und Encoder, aber keine Displays oder LEDs am Lenkrad.
- –Keine Telemetrie-Effekte: Das Force Feedback ist rein physikalisch. Die neuen, feinen Vibrationen (ABS, Motor, Road Texture), die auf Spieldaten basieren, bleiben der SC3 vorbehalten.
- –Kabelsalat: Ohne den zentralen Link Hub müssen Pedale und Zubehör separat an den PC angeschlossen werden, was USB-Bandbreitenprobleme begünstigen kann.
Simucube 3
- +Link-Plattform: Ein einziges Kabel zum PC für Base, Pedale und Zubehör. Das eliminiert Erdungsprobleme (EMI) und sorgt für ein extrem aufgeräumtes Rig.
- +LightBridge-Technologie: Endlich kabellose Lenkräder mit Display und LEDs. Strom und Daten fliessen kontaktlos – das ist die Zukunft.
- +Telemetrie-Feedback: Die Base übersetzt Daten aus dem Spiel (Reifenabrieb, ABS) in spürbare Vibrationen im Kranz. Das erhöht die Immersion massiv.
- +Dual-Mounting: Endlich flexibel. Die Base kann ohne Adapter direkt von unten auf das Rig geschraubt werden (T‑Nuts integriert).
- +On-the-Fly Anpassung: Die neue Control Box erlaubt das Verstellen von Force Feedback und Dämpfung während der Fahrt, ohne aus dem Spiel zu tabben.
- +IPM-Motor (Ultimate): Noch effizienter, kühler und reaktionsschneller als die Vorgänger-Generation.
- –Kein USB-Passthrough: Das ist der grösste Kritikpunkt. Alte USB-Lenkräder können nicht durch die Base geschleift werden. Man muss das Kabel weiterhin extern zum PC führen, was den Vorteil der kabellosen Technik für Bestandskunden schmälert.
- –Geschlossenes Ökosystem: Um die Vorteile (Wireless Display) zu nutzen, ist man auf Lenkräder angewiesen, die den neuen Simucube-Link-Standard unterstützen (z.B. von Ascher oder GSI).
- –Preis & Komplexität: Der Einstieg erfordert den Link Hub und idealerweise neue Lenkräder, was die Investition im Vergleich zum reinen Base-Tausch erhöht.










