Fanatec bringt FullForce kostenlos auf die CSL DD und GT DD Pro Wheel Bases
In der Welt der Simracing-Hardware sind wir es eigentlich gewohnt, dass bahnbrechende neue Features den neuesten und teuersten Flaggschiffen vorbehalten bleiben. Wer die neueste Technik spüren will, muss in der Regel das Portemonnaie weit öffnen. Doch Fanatec hat auf seinem jüngsten Spring Showcase eine Bombe platzen lassen, die uns bei SimUltimate wirklich positiv überrascht hat. Die Landshuter bringen ihr hochgelobtes FullForce-System auf zwei Wheel Bases, die seit Jahren als die absoluten Preis-Leistungs-Könige im Einstiegssegment gelten: Die CSL DD und ihr PlayStation-Pendant, die Gran Turismo DD Pro.
Bislang war dieses haptische Protokoll streng an die deutlich teureren ClubSport DD und ClubSport DD+ Modelle gekoppelt. Dass eine Base, die im Kern bereits drei Jahre auf dem Buckel hat und mit 5 oder 8 Newtonmetern in einer völlig anderen Gewichtsklasse boxt, nun diese moderne Signalverarbeitung erbt, ist ein starkes Signal an die Community. Es zeigt, dass die verbaute Hardware der CSL-Reihe deutlich mehr Reserven hat, als viele von uns ursprünglich dachten.

Was ist FullForce eigentlich genau?
Um den Hype zu verstehen, müssen wir uns kurz ansehen, wie Force Feedback traditionell funktioniert. Normalerweise berechnet das Spiel physikalische Kräfte an der Lenksäule – also den Widerstand der Reifen, das Gewicht des Autos und harte Stösse durch Curbs – und schickt diese Signale oft stark gefiltert an den Motor deiner Wheelbase. FullForce bricht aus diesem alten Standard aus. Es handelt sich um ein speziell für die verzögerungsfreie Reaktion von Direct-Drive-Systemen entwickeltes Protokoll, das hochpräzise, hochfrequente Vibrationssignale mit dem zentralen Force-Feedback-Signal verschmilzt. Anstatt also nur den schweren Lenkwiderstand zu simulieren, greift die Technik direkt auf die Spielphysik oder sogar auf Audioquellen der Simulation zurück.
Dein Lenkrad verwandelt sich dadurch in eine Art akustisch-haptischen Lautsprecher. Du spürst das feine Brummen des Motors, die exakte Beschaffenheit des Asphalts, harte Gangwechsel oder das Einsetzen des Drehzahlbegrenzers. Der Clou dabei: Wenn deine CSL DD fest auf einem stabilen Alu-Profil-Rig montiert ist, können sich diese feinen Vibrationen über den gesamten Rahmen übertragen und dein statisches Cockpit buchstäblich zum Leben erwecken.
Genau hier liegt der massive fahrerische Vorteil, den wir bei SimUltimate immer wieder betonen. Du spürst den plötzlichen Grip-Verlust der Reifen (Wheel Slip) Millisekunden früher, bevor das Chassis visuell auf dem Monitor ausbricht. Damit dieses Frühwarnsystem aber funktioniert und nicht im puren Chaos untergeht, ist das richtige Setup absolut essenziell. Am Beispiel von iRacing – dem Vorreiter für diese Technologie – zeigt sich, wie man es richtig macht. iRacing steuert FullForce über die «Wheel LFE»-Optionen (Low-Frequency Effects). Die Gesamtstärke stellst du direkt im Fanatec-Tuning-Menü deines Lenkrads unter dem Kürzel «FUL» ein.
Der grösste Fehler, den du jetzt machen kannst, ist es, im Spiel einfach alle Schieberegler auf Anschlag zu drehen. Das führt zu einer Übersteuerung des Signals, bei der die feinen Nuancen komplett verloren gehen. Wir raten dir dringend, konstante und sehr dynamische Kanäle wie das Motorbrummen auf null zu belassen und die Strassenbeschaffenheit (Road Texture) sogar deutlich ins Minus (z.B. auf ‑25 dB) zu regeln. Warum? Weil ein permanentes Rütteln der Strasse die wirklich überlebenswichtigen Spitzen – wie das Durchrutschen der Räder, das Rattern der Curbs oder das harte Einrasten der Gänge – komplett überlagern würde. Wenn du das System clever abmischst, wird FullForce von einer reinen Immersion-Spielerei zu deiner stärksten Waffe für konstante Rundenzeiten.

Die ungeschminkte Wahrheit: Die Spiele müssen mitspielen
Bei all der Begeisterung über das kostenlose Update müssen wir an dieser Stelle aber auch ehrliches Erwartungsmanagement betreiben. FullForce ist keine Magie, die plötzlich jedes alte Rennspiel verwandelt. Damit deine Base diese hochfrequenten Signale ausspucken kann, muss der jeweilige Spieleentwickler das FullForce-Protokoll nativ in seinen Code integriert haben.
Die gute Nachricht ist, dass die grossen Platzhirsche hier bereits exzellente Arbeit leisten. Wenn du auf iRacing, Gran Turismo 7, Assetto Corsa EVO oder Project Motor Racing setzt, wirst du ab dem 16. Juni ein völlig neues Fahrgefühl erleben. Fährst du jedoch ältere Titel, die dieses API nicht unterstützen, bleibt dein Force Feedback exakt so, wie es vor dem Update war. Die Technik in deiner Base ist dann zwar bereit, aber die Software muss sie eben auch mit den richtigen Daten füttern.
Fanatec® CSL DD QR2 Wheel Base (5 Nm)
Fanatec® CSL DD QR2 Wheel Base (8 Nm)
Wir kritisieren Hersteller oft und gerne, wenn Hardware zu schnell künstlich obsolet gemacht wird. Umso mehr müssen wir Fanatec für diesen Schritt loben. Eine jahrelang bewährte, erschwingliche Direct-Drive-Base nachträglich per Software aufzuwerten (wie sie es vor kurzem bereits für die ClubSport DD und DD+ Wheel Bases gemacht haben) und ihr ein Premium-Feature zu spendieren, ist grossartig für das gesamte Simracing-Ökosystem.
Macht euch also einen dicken roten Knoten in den Kalender. Am 16. Juni solltet ihr euren PC oder eure Konsole hochfahren, die Fanatec App öffnen und euch das Firmware-Update ziehen. Wir garantieren euch, ihr werdet eure CSL DD danach mit völlig neuen Augen und vor allem Händen sehen.










